Wo „Bähmulls“ auf „Unternehmenslotsen“ treffen

Der VR-Dreikönigslauf in Lauingen ist seit 19 Jahren ein „Lauf-Spaß an der Freud“. Das meinten auch gestern 415 Teilnehmer

Was ist das nur für eine Melange? Ju-Jutsukas aus Dillingen tauschen ihren „sanften Weg“ mit der harten Laufstrecke. Ringer aus Nattheim vermeiden tunlichst eine Beinschraube. Tennisspieler aus Frauenstetten geben ihren Einstand, Fußballer aus Weisingen dribbeln ohne Ball, Schützen aus Schretzheim wagen einen Ausreißer und Schwimmer aus Gersthofen bekommen Auftrieb. Selbst ein Rugby-Spieler aus Ricany (südöstlich von Prag) verzichtet ausnahmsweise aufs tacklen.

Es ist Dreikönigslauf in Lauingen. Der Neunzehnte. Die Anmeldungs-Motti der Teilnehmer entpuppen sich als Programm und Philosophie gleichermaßen. So sind welche dabei, die nähern sich ganz spirituell und “Laufen mit Jesus“, andere dagegen wollen als „die Unternehmenslotsen“ ganz profan den Weg Richtung Business weisen. Die nächsten überqueren nicht nur sprachlich als „Bähmull“ die Grenze vom württembergischen ins bayerische Schwaben. Einige geben sich „cool and clean“ andere mögen´s gar heiß und nehmen sich dabei als die „Sexiest Halbmarathonläufer Deutschlands“ selbst auf die Schippe.

Das ist die Melange. Alle haben natürlich auch Namen und Adresse, aber als Sportler und Spassler laufen sie gemeinsam um einen See aus Spaß an der Freud. Diese Freude am Lauf-Spaß teilen sie mit Millionen Deutschen. Denn Laufen ist Volksport sagen Ärzte, meint die AOK und selbst der Gesundheitsminister, der 2015 wenigstens mal mit Treppen-Laufen beginnen wollte. Es geht also um den Spaß an der Freud. Die Laufkalender im Internet verzeichnen für Deutschland mehr als ein Dutzend Wettbewerbe an diesem Tag von Hoyerswerda bis Dielheim, in Bayrisch-Schwaben traditionell aber nur in Aichach und Lauingen.

Doch kann Laufen Anfang Januar überhaupt Volkssport sein? Darf man Laufen selbst bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt noch als gesund betrachten? Man darf. Sonst wären nicht so viele Mädchen wie Buben, Damen wie Herren zwischen 10 und 70 Jahren am Auwaldsee.

An diesem Dreikönigstag 2016 führt sie stillschweigend eine gemeinsame Philosophie zusammen, wohlwissend, dass sie dort zwischen Blitz Eis und Kaiserwetter alles erwarten kann. Über 100 drängen sich noch zur Nachmeldung und sorgen für die Rekordbeteiligung von 415. Was hat sie am Vormittag dieses 6. Januar 2016 außer einer gut präparierten Strecke tatsächlich erwartet: Vier Grad Außentemperatur, gefühlte Null Grad laut Wetter-App. Luftfeuchtigkeit 75 Prozent. Wind 7km/h aus Südwest. Kein Regen, der kam erst zur Siegerehrung.

Vier Grad Außentemperatur ist gewiss nichts für Bähmulls (württembergisch- schwäbisch), auf deutsch-denglisch Couch-Kartoffeln. Die Anwesenden zählen nicht dazu. Rund 50 wagen sich an die 21 Kilometer, die anderen teilen sich in Hobby- und Hauptläufer, sind aber nicht minder ehrgeizig. Insgesamt zwei Drittel Männlein, ein Drittel Fräulein, ungefähr. Lautstark mit Rätschen und Kuhglocken geben sich die Fans der „run4fun“-Truppe aus Rettenbach, während eine Caroline ihren fünf Kilometerlauf eher leise, aber auch „just for fun“ absolviert. Das ist zwar wieder ein Anglizismus, gleichzeitig aber das Leitmotiv, das wohl überall auf der Welt verstanden wird: Spaß an der Freud. Das ist es: Es geht um Spaß und Sport, Gemeinschaft und Gaudi, Bewegung und Gesundheit, gewiss auch ein wenig um Ehrgeiz und Anstrengung, um den „Bähmull“ in jedem von uns zu besiegen. Aber vor allem geht es ums dabei sein, in Lauingen und anderswo. Denn dabei sein ist alles.

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